Internationale Freundschaften und Wissenstransfer
Kurt, Hausmeister – Unterkünfte in Lyngdal
"Ende Oktober 2024 hatte ich die Gelegenheit, im Rahmen des HERO-Austauschprogramms nach Norwegen zu reisen. Ziel war es, die dortige Unterbringung von geflüchteten Menschen kennenzulernen und Erfahrungen mit norwegischen Kolleg*innen auszutauschen. Die Reise bot viele wertvolle Einblicke in Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Flüchtlingsarbeit.Anreise und erste Eindrücke: Meine Reise begann mit einem Flug nach Oslo, wo mich die Sauberkeit und entspannte Atmosphäre beeindruckten. Nach einer Übernachtung in einem Hotel ging es weiter zu meinem eigentlichen Ziel: Lyngdal in Südnorwegen. Ich wurde herzlich empfangen und mit dem Auto zur Unterkunft gebracht. Der Abend endete in einem ruhigen Hotel, das durch ein selbstständiges Check-in-System auffiel.
Begegnungen und Arbeitsalltag: Die norwegischen Kolleg*innen empfingen mich herzlich und offen. Diese Freundlichkeit prägte meinen gesamten Aufenthalt. Der Arbeitsalltag in der Unterkunft war strukturiert und entspannt. Sozialarbeiter*innen arbeiten von 8:00 bis 15:30 Uhr in Einzel- oder Gemeinschaftsbüros. Besonders auffällig war die Selbstständigkeit der Bewohner*innen. In Unterkünften für minderjährige unbegleitete Geflüchtete sind Mitarbeitende rund um die Uhr vor Ort.Unterkunft und Ausstattung: Die Unterbringung in Norwegen unterscheidet sich deutlich von der in Deutschland. Die Ausstattung ist hochwertiger, und Familien verfügen über eigene Badezimmer. Die Unterkünfte für Jugendliche waren wohnlich und boten viel Privatsphäre sowie Rückzugsmöglichkeiten. Bewohner*innen sind eigenverantwortlich für die Reinigung ihrer Wohnbereiche, was zu einem sorgsamen Umgang mit der Einrichtung führt. Die entspannte Arbeitsatmosphäre und der lösungsorientierte Ansatz beeindruckten mich nachhaltig.Freizeit und Kulinarisches: Neben der Arbeit blieb wenig Zeit für private Aktivitäten, doch ein Highlight war ein gemeinsamer Ausflug in die Berge mit Lagerfeuer und Grillen. Am Ende der Reise verbrachte ich zwei Tage in Oslo mit meinen deutschen Kolleg*innen. Wir besuchten die Bibliothek, erkundeten den Hafen und genossen die norwegische Küche, die mit frischem Fisch und gesunden Gerichten überzeugte.Fazit: Die Dienstreise nach Norwegen war eine bereichernde Erfahrung. Besonders beeindruckend waren die menschenwürdigere Unterbringung, die größere Selbstständigkeit der Bewohner*innen und die entspannte Arbeitsatmosphäre. Diese Reise zeigte, dass bessere Standards möglich sind. Für zukünftige Dienstreisen kann ich Norwegen nur empfehlen: Die Offenheit der Kolleg*innen und die tiefen Einblicke machen solche Erfahrungen unschätzbar wertvoll."
Johanna, Sozialarbeiterin – Unterkünfte in Sunndalsøra
"Endlich war der Moment gekommen! Nach einer Übernachtung in Oslo und einem aufregenden Flug nach Molde am Montagmorgen begann ich die letzte Etappe meiner Reise in den Südwesten Norwegens. Schon während der Fahrt bot sich mir ein atemberaubender Blick auf die beeindruckende Landschaft mit ihren Fjorden und Bergen.
Sunndalsøra, eine kleine Stadt mit etwa 5.000 Einwohner*innen, liegt eingebettet zwischen den berühmten Bergregionen Dovrefjell und Trollheim. Der Beiname „Königreich der Wasserfälle“ passt perfekt, denn neben den majestätischen Bergen, die scheinbar direkt aus dem Boden emporragen, begegnet man überall kleinen und großen Wasserfällen.
In Sunndalsøra befinden sich zwei Unterkünfte, die in einem ehemaligen Wohnkomplex für Industriearbeiter*innen untergebracht sind. Jedes Zimmer ist mit einem eigenen Badezimmer, einer Küche und sogar einem Balkon ausgestattet. Zunächst wurde ich in die Unterkunft gebracht, in der alleinreisende Erwachsene und Familien leben. Derzeit waren dort etwa 200 Bewohner*innen aus Ländern wie der Ukraine, Syrien und Afghanistan untergebracht. Nach einem Tag, den ich gemeinsam mit der Sozialarbeiterin verbrachte und erste Einblicke in die Arbeit vor Ort erhielt, wurde ich abends in mein Hotel gebracht.
Am nächsten Tag begann ich in derselben Unterkunft, wechselte jedoch am Nachmittag in den Bereich für unbegleitete Minderjährige. Hier leben derzeit 29 Jugendliche – 28 Jungen und ein Mädchen – im Alter von 15 bis 17 Jahren. Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin und drei Jugendlichen unternahmen wir einen Ausflug und erkundeten die beeindruckende Natur der Umgebung.
Die folgenden Tage boten mir viele weitere Einblicke und interessante Gespräche. Besonders beeindruckt hat mich die Schnelligkeit des norwegischen Asylprozesses, die einen deutlichen Unterschied zu Deutschland darstellt. Während geflüchtete Menschen in Berlin oft Jahre auf eine Entscheidung oder einen festen Unterkunftsplatz warten, geschieht dies in Norwegen in der Regel innerhalb von sechs Monaten. Jugendliche erhalten meist innerhalb weniger Wochen einen Schulplatz und werden aktiv in Freizeitangebote wie Fußballvereine eingebunden. Trotz dieser Geschwindigkeit war in den Unterkünften keine Hektik oder Anspannung zu spüren – im Gegenteil: Die Gelassenheit der norwegischen Kolleg*innen war inspirierend.
Ebenso beeindruckend fand ich die fortgeschrittene Digitalisierung und die geringe Bürokratie, die Integration auf einem hohen Niveau ermöglichen. Diese Rahmenbedingungen könnten Gründe dafür sein, dass in den Unterkünften kein Bedarf an Sicherheitsmitarbeitenden besteht.
Nach einigen intensiven Tagen ging es mit dem Bus zurück nach Molde, von wo aus ich mit meiner Kollegin nach Oslo flog. Das Wiedersehen und der Austausch mit den mitgereisten Kolleg*innen waren ein Highlight meiner Reise. Gemeinsam verbrachten wir ein schönes Wochenende in Oslo, geprägt von interessanten Gesprächen und gutem Essen.
Ich hoffe sehr, dass auch weiteren Kolleg*innen dieser interkulturelle Austausch ermöglicht wird. Die Reise war in vielerlei Hinsicht bereichernd und hinterlässt nachhaltige Eindrücke, die mich noch lange begleiten werden."
Denis, Psychologe – Unterkünfte in Lyngdal
"Die Reise nach Norwegen war für vier Mitarbeitende von HERO eine spannende Gelegenheit, die Arbeit in Unterkünften für Geflüchtete aus einer neuen Perspektive zu erleben. Ziel war es, die HERO-Unterkünfte im Süden und Westen Norwegens kennenzulernen und sich mit den dortigen Teams auszutauschen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Oslo reiste die Gruppe in zwei Teams weiter: zwei Kollegen nach Lyndal und die Kolleginnen in den Westen.
Die Unterkunft „Solsiden“, die größte Norwegens mit knapp 300 Bewohnerinnen, beeindruckte durch ihre Organisation und die Kombination aus Bereichen für Erwachsene und unbegleitete Minderjährige. Schon am ersten Tag gab es intensive Einblicke in die Abläufe, Gespräche mit Bewohner*innen und Begegnungen mit den professionellen, herzlichen Teams vor Ort.
Die Highlights meiner Woche:
- Gemeinsame Aktionen mit Jugendlichen: Ein Putzabend mit Musik, Austausch und viel Engagement wurde mit der Aussicht auf einen Weihnachtsmarktbesuch belohnt.
- Ukraine-Tag: Ein Buffet mit traditionellem Essen, Musik und Tanz brachte Familien zusammen und bot Gelegenheit zum Austausch und gegenseitigem Halt.
- Austausch mit Leitungen: Bei gemeinsamen Essen wurden Herausforderungen und Chancen der Arbeit in beiden Ländern diskutiert. Besonders inspirierend war das norwegische Modell der schnellen Integration ins Regelversorgungssystem.
- Erkundung der Umgebung: Die Fjorde und die Ruhe Südnorwegens boten einen willkommenen Ausgleich und Gelegenheit zur Reflektion.
Das Austauschprogramm bot wertvolle Einblicke in eine andere Arbeitskultur und inspirierte mit neuen Ideen für die Arbeit in Berlin. Die Kombination aus Gemeinsamkeiten und Unterschieden erweiterte den Horizont und motivierte zur Weiterentwicklung. Die Vorfreude auf den Gegenbesuch der norwegischen Kolleg*innen ist groß!"
Joanna, Ehrenamtskoordinatorin – Unterkünfte in Isfjorden
"Mein einwöchiger Arbeitsaustausch in zwei norwegischen Gemeinschaftsunterkünften in Isfjorden – eine für unbegleitete Minderjährige und eine für Familien und Alleinreisende – war eine hochinteressante und inspirierende Erfahrung. Die Woche war hervorragend organisiert und bot wertvolle Einblicke in ein Asylbewerbersystem, das in vielerlei Hinsicht Vorbildcharakter hat.
Ein wesentlicher Unterschied zu Deutschland besteht in der geografischen Lage der Unterkünfte: Sie befinden sich selten in Städten, sondern meist in ländlichen, oft idyllischen Gegenden, die jedoch kaum Kultur-, Freizeit- oder Ausgehmöglichkeiten bieten. Dennoch wird dies von den Bewohner*innen kaum als Nachteil empfunden. Die Unterkünfte sind geräumig und ansprechend gestaltet, mit lebendigen Gemeinschaftsräumen, die aktiv genutzt werden, was zu starken sozialen Bindungen zwischen den Bewohner*innen und einem strukturierten Alltag führt. Ich war außerdem unglaublich beeindruckt von der Schönheit der Berg- und Fjordlandschaften in Isfjorden und dem nahegelegenen Åndalsnes – die Szenerie war atemberaubend!
Besonders beeindruckend ist das umfassende Integrationsprogramm mit neun Lernmodulen, die alle Bewohner*innen durchlaufen müssen. Die Module decken wesentliche Themen wie Gesetze und Rechte, Finanzen, Gesundheitsversorgung, das Schulsystem und Arbeitsmarktintegration ab und sind darauf ausgelegt, die Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit der Bewohner*innen zu fördern.
Ein weiterer Aspekt, der sich deutlich abhebt, ist der regelmäßige Besuch der Polizei und anderer Behördenvertreter*innen, die in respektvollen Begegnungen über norwegische Gesetze und kulturelle Normen informieren. Für die Verständigung steht jederzeit ein digitaler Simultandolmetschdienst zur Verfügung. Eine zentrale Botschaft, die ich überall spürte, lautet: „Wir müssen füreinander sorgen.“ Diese Willkommenskultur ist tief verwurzelt und prägt den Alltag.
Die entspannte und freundliche Stimmung in den Unterkünften war sehr schön. Die abgelegene Lage und die malerische Umgebung könnten dazu beitragen, dass die Teams nicht nur hochprofessionell, sondern auch gelassen und im Einklang miteinander arbeiten. Diese Ruhe übertrug sich auf alle Bereiche – von der Zusammenarbeit im Team bis zur Kommunikation mit den Bewohner*innen. Das Teamwork war hervorragend, und es herrschte eine Atmosphäre von Zusammenhalt und gegenseitigem Respekt. Alle schienen an einem Strang zu ziehen, was zu einer angenehmen und produktiven Arbeitsatmosphäre beitrug.
Solche Austauschprogramme bieten eine wunderbare Gelegenheit, Best Practices zu teilen und voneinander zu lernen. Die norwegischen Teilnehmer*innen konnten wertvolle Ideen aus Deutschland mitnehmen und in ihrer Arbeit umsetzen, während wir in Norwegen neue Inspirationen und Ansätze gewinnen konnten. Dieser gegenseitige Austausch von Erfolgen und Erfahrungen hat alle Teilnehmenden beflügelt. Nach unserer Rückkehr nach Berlin waren wir voller neuer Ideen und Tatendrang. Es war eine Ehre, Teil dieses Programms zu sein und gemeinsam an einer besseren Zukunft für geflüchtete Menschen zu arbeiten."
Der Austausch war ein Erfolg auf vielen Ebenen: Er stärkte den Team-Spirit, ermöglichte wertvollen Wissenstransfer zwischen den norwegischen und deutschen Teams und bot die Chance, neue Best Practices mitzunehmen, um Arbeitsprozesse in Zukunft zu verbessern. Darüber hinaus war der Austausch auch auf persönlicher Ebene eine wundervolle Erfahrung. Neue Freundschaften entstanden – sowohl innerhalb der Teams als auch mit Bewohner*innen der Unterkünfte. Gemeinsame Aktivitäten, geteilte Mahlzeiten und inspirierende Gespräche bereicherten nicht nur die Arbeitsmotivation, sondern waren auch ein Geschenk für Herz und Seele.
Wir bei HERO sind stolz darauf, diesen Spirit fördern zu können und arbeiten kontinuierlich daran, unseren Mitarbeiter*innen inspirierende Erfahrungen zu ermöglichen und ihre berufliche Weiterentwicklung zu unterstützen.