Kinderrechte leben – Demokratie erfahrbar machen

Das Team in der Gemeinschaftsunterkunft Paul-Schwenk-Straße in Berlin-Marzahn versteht seine Arbeit als weit mehr als den Betrieb einer Unterkunft. Im Mittelpunkt stehen Transparenz, Beteiligung und ein respektvolles Miteinander. Ziel ist es, Bewohner*innen, die neu in Deutschland sind, nicht nur über ihre Pflichten, sondern ebenso über ihre Rechte zu informieren und immer wieder sicherzustellen, dass dieses Wissen auch verstanden wird. Denn ohne ein Bewusstsein für die eigenen Rechte und die Freiheiten einer demokratischen Gesellschaft fehlt eine zentrale Grundlage für Integration, persönliche Entfaltung und gesellschaftliche Teilhabe.

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Rechten von Kindern. Viele Familien kommen aus Ländern, in denen Kinderrechte nur eingeschränkt gelten oder kaum bekannt sind. Umso wichtiger ist es, Eltern und Kindern zu vermitteln: In Deutschland haben alle Menschen Rechte – auch die Jüngsten. In der Gemeinschaftsunterkunft Paul-Schwenk-Straße werden Kinderrechte deshalb nicht nur erklärt, sondern aktiv gelebt.

Mitbestimmung im Alltag: Kinder- und Bewohnerräte

In den von HERO betriebenen Unterkünften werden Bewohnerräte und Kinderräte gemeinsam mit Kooperationspartner*innen ermutigt, gefördert und begleitet. Sie schaffen Räume, in denen Meinungen geäußert, Bedürfnisse benannt und Ideen gemeinsam weiterentwickelt werden können. Demokratie wird so nicht nur thematisiert, sondern im Alltag erfahrbar gemacht – sowohl innerhalb der Teams als auch gemeinsam mit den Bewohner*innen.

Ein konkretes Beispiel dafür ist ein Projekt aus dem Kinderrat der Gemeinschaftsunterkunft Paul-Schwenk-Straße. Dort brachten die Kinder den Wunsch nach einem eigenen Aufenthaltsraum ein, in dem sie auch Kicker spielen können. Zwar existierte dieser Raum bereits, doch die Kinder äußerten klar, dass sie sich dort nicht wohlfühlten. Er wurde als ungemütlich empfunden und daher kaum genutzt.

Vom Wunsch zum gemeinsamen Projekt

Das Sozialteam erkannte sofort, wie wichtig dieser Wunsch ist. Familien und Kinder leben in Gemeinschaftsunterkünften häufig auf sehr engem Raum, mit wenig Privatsphäre und kaum Rückzugsmöglichkeiten. Gerade für Kinder ist ein eigener, geschützter Ort von großer Bedeutung – ein Raum, in dem sie sich treffen, austauschen, entspannen und entwickeln können.

Im Rahmen der Kinderbetreuung wurde daher gemeinsam mit einem freiwilligen Interior-Designer und dem Team der Paul-Schwenk-Straße ein partizipatives Projekt initiiert. Der Designer kam insgesamt fünfmal in die Unterkunft, um gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen kreative Sessions durchzuführen.

Zu Beginn wurden Ideen, Wünsche und Kritikpunkte der Kinder und Jugendlichen gesammelt. Auf dieser Grundlage entstanden verschiedene visuelle Entwürfe, aus denen die Kinder ihre Favoriten auswählen konnten. Anschließend wurde der Raum gemeinsam neu gestaltet. Die Wände wurden gestrichen, neue Möbel, Teppiche und eine gemütliche Beleuchtung angeschafft. Zusätzlich entstand eine ruhige Ecke, in der sich vor allem Jugendliche zurückziehen und entspannen können.

Ein Raum, der Selbstwirksamkeit sichtbar macht

Ein weiterer wichtiger Schritt war die gemeinsame Entscheidung über den Namen des Raums. Die Kinder und Jugendlichen einigten sich auf den Namen „Best Ever Room“, auf den sie besonders stolz sind. Am 24. April 2026 fand schließlich die Eröffnung des neuen Raums statt. Das gesamte Team sowie zahlreiche Kinder und Jugendliche waren anwesend und konnten das Ergebnis ihrer gemeinsamen Arbeit erleben.


Dieses Projekt war nicht nur kreativ und schön umzusetzen, sondern vor allem pädagogisch bedeutsam. Die Meinungen der Kinder wurden ernst genommen, sie konnten aktiv mitentscheiden und Verantwortung übernehmen. Heute ist sichtbar, dass ihre Wünsche tatsächlich umgesetzt wurden. Dies stellt einen wichtigen Moment der Selbstwirksamkeit dar, der stärkt und ermutigt.

Vielfalt, Demokratie und Teilhabe als Grundhaltung

Projekte wie dieses stehen beispielhaft für die Haltung von HERO. Das Ziel ist ein vielfältiges und demokratisches Miteinander, in dem Teilhabe gefördert und Verantwortung geteilt wird. HERO möchte Vielfalt aktiv gestalten und zu einem friedlichen, respektvollen Zusammenleben beitragen – sowohl innerhalb der Unterkünfte als auch darüber hinaus.

Ein zentraler Bestandteil dieser Arbeit ist die klare Positionierung gegen jede Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Demokratiefeindlichkeit. Durch transparente Arbeit, pädagogische Ansätze und echte Mitbestimmung entstehen Räume, in denen Menschen sich sicher fühlen, ihre Rechte kennenlernen und ihre Stimme erheben können. So wird eine Grundlage geschaffen, auf der aus Ankommen auch Dazugehören werden kann.

Hier erfährst Du mehr über die Aktivitäten in unseren weiteren Unterkünften in Deutschland.