Trotz Flucht und Krieg – Ukrainische Volleyballer geben Teamgeist weiter

In der Sporthalle der Aufnahmeeinrichtung Bernkastel-Kues in Rheinland-Pfalz war an diesem Tag besondere Energie zu spüren. Bewohner*innen aller Altersgruppen versammelten sich gespannt um das Spielfeld, bereit, sich auf eine neue Herausforderung einzulassen.

Zwei junge Männer, Ruslan und Andriy, beide professionelle Volleyballspieler aus der Ukraine, hatten sich vorgenommen, ihr Können mit den anderen zu teilen. Mit viel Geduld und Leidenschaft brachten sie ihren Mitbewohner*innen die Grundlagen des Spiels bei – und vermittelten dabei nicht nur Technik, sondern auch jede Menge Teamgeist und Freude an der Bewegung.

Volleyball – ein Sport, der beflügelt

Ruslan und Andriy haben ihr halbes Leben dem Volleyball gewidmet. Ruslan spielt seit elf Jahren professionell und hat auch für die ukrainische Nationalmannschaft gespielt. Sein größter Erfolg? Ein Sieg bei den Elite Volleyball Academy (EVA) Meisterschaften in Belarus. Doch was ihn wirklich antreibt, ist das Gefühl von Freiheit, das er beim Spielen empfindet: „Ich habe immer Volleyball geliebt – das Gefühl vom Fliegen und die Freiheit im Spiel.“ Auch die Dynamik im Team ist ihm wichtig: „Ich mag die Handlungsfreiheit, die Teamarbeit, Siege, die wir nur gemeinsam erringen können, und die Kommunikation zwischen den Teammitgliedern.“

Für Andriy war es sein Vater, der ihm den Sport näherbrachte. „Er war selbst professioneller Volleyballspieler. Ich wollte in seine Fußstapfen treten.“ Seit zehn Jahren spielt er auf höchstem Niveau und schätzt an Volleyball besonders die Kombination aus körperlicher Herausforderung und schnellem Denken. „Es ist ein Sport, bei dem man in Bruchteilen von Sekunden Entscheidungen treffen muss.“

Profisport und Gemeinschaftsarbeit

Beide Männer trainieren normalerweise zweimal täglich, doch in der Unterkunft haben sie ihre Leidenschaft auf eine neue Weise eingesetzt. In einer zweistündigen Trainingseinheit zeigten sie den anderen Bewohner*innen verschiedene Moves, Tricks und Volleyballstrategien. Sie korrigierten sanft die Bewegungen der Anfänger*innen, gaben ermutigende Worte und feierten gemeinsam die ersten erfolgreichen Spielzüge. Trotz des intensiven Trainings blieb die Atmosphäre locker und fröhlich – es wurde geschwitzt, viel gelacht und jeder kleine Fortschritt gefeiert.

Nach dem Training nahmen sich die beiden noch Zeit für ein kleines Mädchen, das neugierig am Spielfeldrand stand. Geduldig zeigten sie ihr, wie man den Volleyball richtig hält und passt. Diese kleine Geste machte deutlich, wie sehr Sport Menschen verbinden kann – unabhängig von Alter, Herkunft oder Vergangenheit.

Der Krieg und seine Folgen – ein neues Leben in Deutschland

Doch so viel Leichtigkeit Volleyball ihnen auch gibt – ihre Fluchtgeschichte und die Ereignisse in ihrer Heimat lassen sich nicht einfach abschütteln. „Wir lebten und spielten in einer Stadt an der Front“, erzählt Ruslan. „Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Tag kam, der unser Leben radikal verändern würde.“ Als es so weit war, wurde sein Vater Soldat. „Er sagte zu mir: ‚Mach dein eigenes Ding.‘“ Diese Worte begleiten ihn bis heute.

Auch Andriy musste seine Stadt und sein Team verlassen. Der Krieg hat sein Leben stark verändert, doch er ist dankbar für die Unterstützung, die er in Deutschland erfährt. „Deutschland gehört zu den fortschrittlichsten Ländern der Welt – sowohl wirtschaftlich als auch demokratisch – und hier wird vieles richtig gemacht.“ Ich möchte Deutschland besonders für seine enorme Unterstützung für die Ukraine danken – wir werden es nie vergessen.“

Trotz allem schauen beide nach vorne. Ruslan hofft darauf, eines Tages in seine Heimat zurückzukehren und seine Eltern wiederzusehen. Andriy wünscht sich, dass der Krieg ein gerechtes Ende findet und dass er seine neuen Freunde aus Deutschland eines Tages in der Ukraine willkommen heißen kann.

Bis dahin teilen sie ihre Leidenschaft für den Volleyball und bringen nicht nur sportliche Fähigkeiten, sondern auch Gemeinschaft, Motivation und ein Stück Normalität in den Alltag der Einrichtung.

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